Widerstand als Symptom – nicht als Problem
Ein Beispiel, das mir schon mehrfach begegnet ist: die nicht enden wollenden Aufgabenlisten in digitalen Posteingängen. E-Mails und Ticketsysteme füllen sich unaufhörlich, und es gibt keine klare Möglichkeit, den eigenen Fortschritt zu sehen. Man verschiebt nur Mails von A nach B und erfährt wenig Selbstwirksamkeit. Statt eines motivierenden „Das haben wir heute erreicht!“ bleibt oft nur das Gefühl, immer mehr auf den Tisch zu bekommen – ohne jemals „fertig“ zu sein.
Diese Art von Frust hat nichts mit der Digitalisierung an sich zu tun, sondern mit Führung und Transparenz. Wenn Menschen ihre eigene Wirkung nicht erkennen können, fühlen sie sich schnell demotiviert. Genau hier muss angesetzt werden: Es geht nicht darum, neue Tools einzuführen, sondern darum, Arbeitsweisen so zu gestalten, dass sie Fortschritt sichtbar machen. Das muss nicht digital sein, sollte dort aber berücksichtigt werden.
Wie Widerstand produktiv genutzt werden kann
Ich habe gelernt, dass Widerstände nicht einfach nur ein „Dagegen“ sind, sondern wertvolle Hinweise darauf geben können, wo Veränderungen nötig sind. Sie zeigen, wo Prozesse nicht durchdacht wurden, wo Mitarbeitende sich übergangen fühlen oder wo der Nutzen neuer Systeme nicht klar genug ist. Oft geht es auch um das WIE, als um das WAS.
Ein Unternehmen, mit dem ich vor Kurzem gearbeitet habe, hatte genau dieses Problem mit digitalen Aufgabenlisten. Statt einfach die Liste „abzuarbeiten“, wurde das Team in die Tagessteuerung eingebunden:
- Tägliche kurze Abstimmungen, um den Fortschritt sichtbar zu machen.
- Eine gemeinsame Visualisierung, die zeigt, was bereits geschafft wurde.
- Bewusstes Priorisieren, um das Gefühl endloser To-dos zu reduzieren.
Das Ergebnis? Die Stimmung änderte sich. Der Widerstand gegen das (neue) digitale System verwandelte sich in ein besseres Verständnis dafür, wie man es sinnvoll nutzt – nicht als zusätzliche Belastung, sondern als echte Unterstützung.
Fazit: Widerstände ernst nehmen und für Veränderungen nutzen
Ich nehme aus solchen Situationen immer wieder mit: Widerstände sind keine Blockaden, sondern Signale. Sie helfen zu erkennen, wo digitale Veränderungen nicht nur technische, sondern auch organisatorische Anpassungen brauchen.
Digitale Transformation ist keine rein technologische Aufgabe – sie ist ein gemeinsamer Prozess. Und oft hat der Widerstand, der dabei entsteht, gar nicht mit der Digitalisierung selbst zu tun, sondern mit Führung, Transparenz und der Art, wie wir zusammenarbeiten.
Wer diese Widerstände versteht und aktiv darauf eingeht, kann sie in eine Chance verwandeln – für eine wirklich erfolgreiche Transformation.
Meine Lessons Learned – Widerstände in der digitalen Transformation:
Widerstand ist ein Signal – Er zeigt, wo Klarheit, Transparenz oder Einbindung fehlen.
Sichtbarkeit von Fortschritt ist essenziell – Endlose Aufgabenlisten demotivieren, Erfolge müssen sichtbar sein.
Digitalisierung braucht Anpassung, nicht nur neue Tools – Ohne klare Strukturen entstehen Frust und Überforderung.
Führung und Kommunikation sind entscheidend – Einbindung und klare Priorisierung nehmen Widerständen den Wind aus den Segeln.